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Thorsten Clewemann

So viel Einigkeit lässt aufhorchen

Zur Kandidatur von Joachim Gauck

Leserbrief an den Soester Anzeiger 23.02.2012

So viel Einigkeit lässt aufhorchen

Zur Kandidatur von Joachim Gauck

Bevor nun das ganze Land in einen kollektiven Freudenrausch verfällt, sollten einige kritische Aspekte zum „Fall Gauck“ angemerkt werden, auch deshalb, damit später der Kater nicht so groß wird.
Herr Gauck wurde allein den Parteieliten von SPD und Grünen bereits vor zwei Jahren von der Springer-Presse vorgeschlagen, dort gab es dann so gut wie keine innerparteiliche und demokratische Diskussion mehr. PRAgenturen haben dann im Internet für die „Yes, we gauck!“-Stimmung gesorgt.
Dies schreibt die Financial Times Deutschland am 20. Juni 2010.

Die aktuelle politische Ausrichtung von SPD und Grünen passt allerdings auch aus objektiver Sicht nur schwer zu den Überzeugungen des Herrn Gauck. Persönlich kann ich es kaum ertragen, wenn Menschen ... zu „Superstars“ hoch geschrieben werden, ohne das eh schon für dumm verkaufte Volk mit weiteren Inhalten und Zusammenhängen zu konfrontieren. Was weiß man nun wirklich von Gauck? Freiheit, Freiheit und nochmals Freiheit! Und seine Einteilung der ehemaligen DDR-Bürger in Stasi und Opfer.

Bei näherer Betrachtung meint er übrigens die Freiheit, die auch die FDP definiert. Und sonst?
Was sagt Gauck zur deutschen Kriegsbeteiligung und zu Wirtschaftskriegen allgemein? Was sagt er zu den sozialen Ungleichheiten, zu den Reallohnverlusten der letzten zehn Jahre, zu alternativen Energien, zu dem hochkorrupten Bankenwesen und der „marktkonformen Demokratie“ (Merkel)? Was sagt er zu den ethischen und moralischen Folgen der Finanzkrise, zu der Integrationsdebatte, auch zwischen Ost- und Westdeutschland? Fragen über Fragen.

Herr Gauck ist Mitglied der „Atlantikbrücke“, einem hochelitären Verein zur „Förderung des deutsch-amerikanischen Verständnisses“. Viele der Mitglieder sind sehr bekannte Größen, deren Meinungen zu den oben genannten Fragen ich durchaus kenne und als humanistisch und sozial geprägter Mensch nicht sehr schätze. Davon ausgehend, dass Herr Gauck dort kein Außenseiter ist, macht es mir wenig Hoffnung, dass er in der Realität und außerhalb der medialen Inszenierung wirklich Präsident aller Deutschen und der „kleinen Leute“ wird...

Es lohnt sich zahlreiche gehaltvolle Beiträge und Verlinkungen zum Thema, zum Beispiel bei den nachdenkseiten. de, nachzulesen. In jedem Fall sollte man Herrn Gauck während seiner Präsidentschaft gut zuhören und ihm konkrete Fragen stellen! Wenn ihm alle zujubeln, ist das schlecht, insbesondere für die Demokratie!

Thorsten Clewe mann, Soest