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Elisabeth Umezulike

Nur Worthülsen

Drohende Abschiebung in Lippstadt

Leserbrief: Liebe, Friede und Gerechtigkeit nur Worthülsen für Lippstädter Bürgermeister

Für seinen diesjährigen Weihnachtsgruß hat sich der Lippstädter Bürgermeister Christof Sommer einen besonders schönen Spruch ausgesucht. Er stammt von L.Tolstoi und spiegelt dessen zutiefst humanistische Einstellung wieder:

Merke Dir – die wichtigste Zeit ist nur eine: der Augenblick. Nur über ihn haben wir Gewalt. Der unentbehrlichste Mensch ist der, mit dem uns der Augenblick zusammenführt, denn niemand kann wissen, ob er je noch mit einem anderen zu tun haben wird. Das wichtigste Werk ist, ihm Gutes zu erweisen.

Der Bürgermeister, der einer sich christlich nennenden Partei angehört, spricht weiterhin von „Besinnung auf das, was zählt: Liebe, Friede und Gerechtigkeit“. Genau diese drei aber sollen einer in Lippstadt lebenden alleinerziehenden Mutter mit ihren vier Kindern verwehrt werden. Sie sollen nach dem Willen des Bürgermeisters nach Mazedonien abgeschoben werden, einem Land, das ihnen längst keine Heimat mehr ist. Denn Frau Destani ist vor Gewalt und Misshandlung geflohen; sie soll nun in dieselbe Bedrohungssituation zurückgeschickt werden. Trotz schlimmer Erfahrungen ist es ihr hier gelungen, eine eigenständige Existenz aufzubauen und von staatlicher Unterstützung unabhängig selbst für ihre Kinder zu sorgen. Diese gehen hier zur Schule, sind gut integriert und bei Mitschülern und Freunden beliebt. Was ist nun das Vergehen dieser Familie, das eine Abschiebung angeblich erforderlich macht? Es handelt sich um die Unterschreitung einer Frist um EINEN Tag, genauer: Frau Destani war genau einen Tag zu kurz mit einem aufenthaltsberechtigten Mann verheiratet. Deshalb soll sie mit ihren Kindern abgeschoben werden, in ein Land, das das Gegenteil von Heimat ist, in dem Gefahren für Leib und Leben und den Kindern eine äußerst ungewisse Zukunft drohen. So will es der 'christliche' Bürgermeister. Formaljuristisch gesehen ist er im Recht. Er hätte allerdings auch die (ebenfalls juristisch vertretbare) Möglichkeit, die de facto gegebene Unzumutbarkeit der Rückkehr festzustellen, die Familie bleiben zu lassen und ihr damit vermutlich das Leben zu retten.

Herr Sommer sollte sich nun selbst um die von ihm gelobte Besinnung bemühen und sich fragen, was in seinem Handeln ausschlaggebend sein sollte: Der kalte Blick des Verwaltungsjuristen oder die Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit, die aus ernst genommen christlichen Werten folgen? Und er sollte sich auch fragen, wie der von ihm verehrte Tolstoi in diesem Fall wohl entschieden hätte.

Elisabeth Umezulike, Warstein
(Mitglied des Arbeitskreises Asyl)