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Dirk Wilkens-Hagenkötter

In Time – Deine Zeit läuft ab

Film-Rezension

Die Spielregeln des Kapitalismus sind nicht immer leicht zu durchschauen und deshalb auch nur schwer zu erklären. Gerade wenn es um Geldwirtschaft und Inflation geht. Es fällt vielleicht leichter, wenn man anstelle des Begriffs „Geld“ einen anderen Begriff verwendet. Der neuseeländische/britische Regisseur Andrew Niccol der schon durch so nachdenkliche Filme wie GATTACA und Die Truman Show aufgefallen ist, hat es einmal mit „Lebenszeit“ versucht.

In seinem letzten Film „In Time – Deine Zeit läuft ab“ zeigt er eine Gesellschaft, in der man nicht mit Geld sondern mit Lebenszeit bezahlt und entlohnt wird. Jeder Mensch hat die ersten 25 Jahre seines Lebens frei. Danach erscheint auf dem Arm eine Lebensuhr, auf der fünfzig Jahre rückwärts abgezählt werden. Ab sofort muss der Mensch sich weitere Lebenszeit dazu verdienen und andersrum alles mit Lebenszeit bezahlen. 

Fünfzig Jahre zu den bereits gelebten 25, das klingt ja erst einmal nach einer ganz normalen Lebenserwartung von 75 Jahren. Allerdings gibt es in dieser Gesellschaft genau wie in der unsrigen enorme Klassenunterschiede. In der Regel hat man zu seinem 25 Geburtstag so viel Schulden angesammelt, dass man - je nach Stellung in der Klassengesellschaft - diese Schulden sofort abzahlen muss. Und für viele bleiben dann nur wenige Wochen oder Monate an Lebenszeit übrig. Erwähnen sollte man noch, dass rein äußerlich die Menschen ab 25 nicht mehr altern. 

Will Salas (Justin Timerlake) ist 28 Jahre alt und lebt mit seiner Mutter im ärmsten Bezirk der Stadt. Hier lebt es sich nicht leicht. Oft haben Will und seine Mutter gerade nur noch ein paar Stunden Lebenszeit und müssen ständig damit rechnen, dass diese ihnen auch noch von Straßenräubern geraubt wird. Deshalb ist es auch nicht ratsam mit zuviel Lebenszeit durch die Straßen zu gehen. Eines Tages lernt Will einen Fremden kennen, der sich selbst umbringen will. Er ist alt – zumindest aus Wills Sicht, nämlich über 100 Jahre. Und auf seiner Lebensuhr hat er noch einmal mehr als 100 Jahre. 

Der Fremde erklärt Will, wie das ganze System funktioniert: Damit einige wenige ewig leben können, müssen andere früh sterben. Es kann nur so funktionieren, denn sonst würden ja alle gleich lang leben. Der Fremde überlässt Will seine restliche Lebenszeit und nachdem seine letzte Minute abgelaufen ist, fällt er von einer Brücke in den Fluss. Jedoch beginnt die Polizei (die sogenannten Timekeeper) zu ermitteln, als die Leiche gefunden wird. Sie glaubt an einen Lebenszeitraubmord. 

Will ist mittlerweile in den Sektor der Superreichen gegangen, nach Greenwich. Seine Mutter starb nämlich an ihrem 50. Geburtstag, weil sie nicht genug Lebenszeit für die Busfahrt hatte. In Greenwich lernt er Sylvia (Amanda Seyfriend) kennen, die Tochter eines Lebenszeit-Millionärs. Will hatte in einem Pokerspiel 1100 Jahre gewonnen und erkennt jetzt, dass die 105 Jahre des Fremden nichts war im Vergleich zu den Lebenszeiten, welche die Menschen in Greenwich besaßen. 

Da kommen die Timekeeper und wollen ihn wegen des vermeintlichen Mordes verhaften. Will entkommt im letzten Moment und nimmt Sylvia als Geisel mit sich. Die beiden freunden sich an und beginnen nun Banken auszurauben und die Lebenszeit überall zu verteilen. Denn sie erkennen: Wenn Lebenszeit unbegrenzt zur Verfügung steht, wird das Wirtschaftssystem zusammen brechen. Und genau das wollen sie erreichen. 

Es ist sicher nicht ganz leicht, sich auf das Gedankenspiel mit der Lebenszeit einzulassen. Eine Wirtschaft, die auf Lebenszeit ausgerichtet ist klingt erst einmal so, als wenn es eine Satire sein könnte, die nicht ganz ernst zu nehmen ist. Der Film nimmt sich aber ernst, und die Bezahlung mit Lebenszeit ist dort so selbstverständlich wie bei uns der Euro. 

Gerade dadurch, dass man als Zuschauer aber sich diese Vorstellung ganz bewusst im Kopf zergehen lassen muss wird deutlich, dass es um eine Kritik an unser Wirtschaftssystem geht. Und wenn wir dann erfahren, dass die Wirtschaft zusammenbrechen wird, wenn jeder Mensch genug Lebenszeit besitzt, dann wird vielleicht deutlich, dass es mit dem Kapitalismus ganz ähnlich ist: Auch dieser kann nur funktionieren, wenn einige wenige viel bekommen, die meisten anderen aber nur sehr wenig. Und auch das kapitalistische System würde zusammenbrechen, wenn das vorhandene Geld fairer verteilt würde. 

Im Vergleich zu GATTACA und der Truman Show hat Regisseur Andrew Niccol diesmal sehr viele Actionszenen eingebaut, wodurch der Film auch als reiner Action Film gesehen werden kann. Die Mischung wirkt dann auch etwas ungewöhnlich. Viele Zuschauer werden dann vielleicht auch kritisieren, dass In Time „nur“ ein Action Film ist, andere Action Fans finden ihn vielleicht zu „inhaltsschwer“. Auf jeden Fall erreicht der Film so ein sehr breites Publikum und vielleicht beginnt man zumindest zu ahnen, wie sich das bei uns mit der Geldwirtschaft tatsächlich verhält. 

„In Time – Deine Zeit läuft ab“ erschien am 13. April 2012 auf DVD und Blu-Ray und ist von der FSK ab 12 Jahren freigegeben.