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Thorsten Clewemann

Bitte freuen Sie sich niemals über Senkungen von Steuern!

Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten

Zum Leserbrief von Johannes Koerner zur „Schuldenkönigin“ Hannelore Kraft.

Zum Leserbrief von Herrn Koerner (CDU) möchte ich die Leser zu folgenden Gedanken ermutigen:

Haben Sie den Eindruck, dass sich eine der letzten oder aktuellen Regierungsparteien –insbesondere die CDU oder FDP- wirklich jemals ernsthaft Gedanken um die Zukunft der Kinder gemacht haben? Mir wäre das neu. An Heuchelei sind derartige Äußerungen nicht zu überbieten! Die Realität und zugleich auch Ursache der aktuell ausufernden Staatsschulden sind doch u. a. dreistellige Milliardenbeiträge für Bankenrettungspakete, milliardenschwere Gewinngarantien durch Verlängerungen der AKW-Laufzeiten oder Steuersubventionen für Hoteliers – bei genauer Betrachtung allesamt Entscheidungen zugunsten parteifinanzierender Lobbygruppen, aber keinesfalls zugunsten der nächsten Generation.

Auch all die weiteren Entscheidungen pro Kopfpauschale, pro Privatisierung der Rente, der Pflege und anderer öffentlicher Aufgaben (Kliniken, Bahn etc.) führen keineswegs zu einer Entlastung der zukünftigen Generation – im Gegenteil, sie führen letztendlich zu einer für den einzelnen sehr teuren Entsolidarisierung und zu einer egoistischen und feindlichen Gesellschaft.  Es bleibt Ihr Geheimnis, was daran erstrebenswert und zukunftsfähig ist.

Herr Koerner, ergreifen Sie doch die Chance diese Heuchelei zu beenden.

Dazu schlage ich folgende Maßnahmen vor:

Machen Sie sich zunächst für die Installation einer Vermögensuhr neben der Schuldenuhr beim Steuerzahlerbund stark, um zu verdeutlichen, dass es in diesem Land einen für viele Bürger wohl nicht erwarteten und arg konkurrierenden Vermögenszuwachs gibt.

Widersprechen Sie den Standardsätzen Ihrer Kanzlerin über angebliche „Alternativlosigkeiten“. Es ist eine Lüge, um bestimmte Interessen zu bedienen.

Diskutieren Sie z. B. über Steuererhöhungen für Vermögende, um das Maß der Verschuldung zu senken und gleichzeitig die Handlungs- und vor allem Investitionsfähigkeit des Landes sicherzustellen.

Verteufeln Sie öffentliche Schulden nicht grundsätzlich und erklären Sie der jungen Generation sachlich, dass auch sie für große Zukunftsinvestitionen, z. B. in eine moderne Infrastruktur angemessene Steuern zahlen darf (Meine Töchter tun dies später gern!) und der Staat nicht immer nur sinnlos über Schulden in Vorleistung tritt.

Und an Sie, liebe Leser, ein Appell: Bitte freuen Sie sich niemals über Senkungen von Steuern oder auch von Lohnnebenkosten. Betrügen Sie sich nicht selbst. Denken Sie daran, wenn Sie 10 Euro Steuern sparen, spart woanders ein anderer 1000 Euro! Wenn hierdurch bedingt nun eine öffentliche Gebühr -für alle- auf 20 Euro steigt, zahlen Sie bereits „drauf“. Gehen Sie nicht den „Leistungsträger“-Phrasen auf den Leim, in der Regel sind Sie damit nicht gemeint!

Verinnerlichen Sie die Feststellung der früheren Sozialdemokratie  „Nur Reiche können sich einen armen Staat leisten“.

Thorsten Clewemann, Soest