5. September 2011 Manfred Such

Das Einfache ist Demut? Eintrittskarte für ein Fest ohne Ende?

Manfred Such, 05.09.2011

Das Einfache ist Demut? Eintrittskarte für ein Fest ohne Ende?

Anmerkungen zu den „Sonntagsgedanken“ von Pater John, Vikar in St. Walburga Werl

Mit „Wer A sagt, muss auch B sagen“ beginnt Pater John seine Sonntagsgedanken, in denen er Demut predigt, die wiederum zur Einladung zu einem Fest ohne Ende bei Gott führe. Dass, wer A gesagt hat, nicht unbedingt auch B sagen muss, wenn A als Fehler erkannt wurde, hat sich inzwischen auch schon herumgesprochen. Der Sinn der Einleitung zu den „Sonntagsgedanken“ mit diesem Sprichwort erschließt sich im Kontext nur schwer. Insgesamt ein ziemlich wirres Sammelsurium!

Sein Ziel, das „große Fest Gottes“ will Pater John über die Einfachheit der Demut erreichen, wie er sie in den Schriften der „großen Karmelitin Teresa von Avila, deren Orden er angehört, gefunden habe. Die Einladung zu diesem Fest, sowie zur „Fülle des Lebens“, zur „bleibenden Freude“ und zum „felsenfesten Hoffen“ gebe es dann wegen der „grenzenlosen Liebe“ Gottes gratis, quasi als Gnadenerweis, als „unverdientes Geschenk“, so der Pater.

„Also, lebe nicht einfach in den Tag hinein! Denk daran, dass dein Weg zu Gott führen soll“, ruft Pater John.
Kann Gott, der seinen Sohn ans Kreuz schlagen ließ, der das Angenommensein von Gott predigte, durch Heilungen und Wunder seine Zuwendung zu den Menschen zeigte, erwarten, dass Menschen aus ihrem Leben „etwas Gutes und Schönes“ machen?  Und wer die Zuwendung Gottes, aus der Botschaft, den Taten und dem Kreuz Jesu, immer noch nicht verstand, dem zeigte Jesus am eigenen Leib: „Das offene Herz“?

(Übrigens, der 16. Benedikt, alias Josef Ratzinger, bezeichnet in seinem 2. Buch über Jesus von Nazareth den Zustand desselben nach seiner Auferstehung mit den  Wunden und dem offenen Herzen, als „radikalen Mutationssprung“, „in dem sich eine neue Dimension des Lebens, des Menschseins auftut.“, S.299,) Darwin lässt grüßen?

Das sind die Botschaften, die Pater John aussendet, um dann über viele nur schwer verständliche Umwege, über Teresa von Avila, deren „zentralen Schauturnen(!) (was ist das?) und Gedanken“, zum Einfachen zu kommen: Zur Demut.
Dahin zu kommen, ist für Pater John offenbar nicht so einfach. Bei ihm liest sich das so:
„Gottes Weg zu den Menschen, der ein Weg des Menschen zu Gott ist, scheint von höchster Klarheit und Reinheit, sodass(!) man in diesem Sinne von Einfachheit reden kann. Das Einfache, wenn es in dieser Wahrhaftigkeit einfach ist, scheint aber schwer zu erkennen zu sein. Ja scheint erst durch viele geistige, seelische, gedankliche, mühsame Umwege geschaut werden zu können. Und das Ergebnis ist wohl, dass der Mensch erfährt, schon zu Beginn seines Suchens und Fragens am Ziel gewesen zu sein, wenn er nur in rechter Weise die Dinge angeschaut hätte.“
(Zitat Ende)

Weil diese Theologie (oder sollte man besser Theolügie sagen?) so kompliziert ist, sich der Sinn kaum erschließt,  bleiben Pater John nur die  simplen Formeln, um das „ewige Fest“ zu erreichen, das Einfache: Die Demut und das „Solo Dios basta“, das er Teresa von Avila gern unterstellen möchte.
Gottvertrauen und Demut reichen für das „Fest ohne Ende“. Eingeladen werden die, die nicht nur in den Tag leben, und auf die Gnade Gottes vertrauen?  Nicht nur in den Tag leben? Vielleicht nach den Ordensregeln der Karmeliter?

Lieber Mensch, könnte man fragen, wer hat sich einen solchen Gott ausgedacht, der in seiner angeblich unendlichen Größe, Güte und Barmherzigkeit gerade Demut fordert?
Demut hat etwas Entwürdigendes, Kriecherisches, Sklavisches bis hin zur Selbsterniedrigung. Das zu fordern oder zu erwarten, zeigt mangelnde Souveränität und solche Forderungen entlarven den Despoten. Mit Größe, Liebe und Barmherzigkeit hat das nichts zu tun. Demut verbietet sich vor solchen Göttern oder Menschen, sie haben nicht einmal Respekt verdient!

Pater John mag aus seinem Pfarrhaus in Werl ein paar Schritte hinaus zur Werler Moschee gehen, in der (und an jeder Stelle in der Öffentlichkeit) durch gläubige Muslime Demut zum selben Gott durch täglich fünfmaliges Beten in auf den Boden gebeugter, unterwürfiger Haltung geübt und praktiziert wird. Bekommen diese demütigen Gläubigen mit Gottvertrauen auch die Einladung zum Fest ohne Ende, auch wenn sie das „offene Herz Jesu“ als Zeichen der Zuwendung ablehnen und nicht den Leib Jesu essen und sein Blut trinken - ihn sogar als Gottes Sohn verleugnen?

Außerdem sei geraten, eine Einladung zu einem nicht endenden Fest sollte man besser ablehnen – nichts ist schwerer zu ertragen …
Theolügie!

(Manfred Such: Von 1989 bis 1990 sowie von 1994 bis 1998 war er Mitglied des Bundestages. 2002 trat er der PDS bei.)