19. September 2011 Manfred Such

Warum es vor Maria brennt?

Manfred Such, 19.09.2011

Warum es vor Maria brennt?
Anmerkungen zu den „Sonntagsgedanken“ von Pater Ralf Preker, Franziskanerkloster.

Die nicht wirklich von Pater Preker aufgeworfene Frage, lässt sich leicht beantworten: Die Kerzen vor dem Bild einer Frau mit fast nackter Leiche auf dem Schoß, Pieta genannt,  in der Werler Wallfahrtskirche brennen, weil solche Geschichten, wie sie Pater Preker den Leserinnen und Lesern erzählt und im Anzeiger regelmäßige Verbreitung finden, von Gemütern, zu denen auch offenbar der Verfasser selbst gehört, geglaubt werden. Man könnte auch von kollektivem Wahnsinn sprechen.
Die Verbreitung solcher absurden Geschichten, wie sie fast ausschließlich von kath. Vertretern verfasst werden, in diesem Fall von Pater Preker, helfen dem Anzeiger, einen gewissen Leserinnen- und Leserstamm zu halten und dienen dem Verfasser zu seiner eigenen Glaubensbestätigung und (nebenbei) zum Lebensunterhalt.
Den Gemütern, die es vor Maria brennen lassen, helfen solche Geschichten durch Autosuggestion, Tröstung und Hoffnung zu finden. Vermeintliche Erfolge, meistens sind es nur ganz persönliche mehr oder weniger dramatische Ereignisse, die sich mit oder ohne brennender Kerze ereignet hätten, dürften noch die eine oder andere Dankeskerze brennen und Spende springen lassen. Für Lösungen größerer Probleme, wie Hungersnöte, Katastrophen oder Kriege fühlt sich die „schmerzhafte Mutter“ sowieso seit ehedem nicht zuständig.
Die „schmerzensreiche Maria“ mit der Leiche auf dem Schoß ist eine Erfindung der Kirche aus dem 14. Jahrhundert. Das dazu, warum es brennt!

Zu dem was Pater Preker den Leserinnen und Lesern als Geschichte auftischt ist folgendes anzumerken:
Was Pater Preker zur Kreuzigungsszenerie schreibt, steht so in keiner Bibel. Nur der letzte der vier veröffentlichten Geschichtenschreiber, der als Johannes bekannt gemacht wurde, gleichzeitig der mit den absurdesten Visionen, lässt die Mutter Jesu unter dem Kreuz auftauchen.
Welches Gemüt und welchen Glauben hat Pater Preker, der schreibt, dass die Mutter unter dem Kreuz stand und dem Gekreuzigten ihr JA zu seiner angeblichen Mission, zu seinem Tod, gab, „während andere längst das Weite gesucht haben“?
Ist es fromme Einfalt zu fragen, wie Pater Preker das macht, wo die junge Kirche, die ersten Bischöfe, der erste Papst, die Menge, die Jesus zum König machen wollte und wo die geheilten Blinden, Aussätzigen und Lahmen bei der Kreuzigung waren? Einfalt oder schamlose Verfälschung?

Zur Zeit Jesu gab es noch keine Kirche, auch keine junge, die gab es erst ca. 300 Jahre später und Bischöfe oder einen Papst gab es auch noch nicht! Wo waren die Geheilten, fragt Pater Preker, wo die von den Toten erweckten, hätte er auch noch fragen können.
Wer die Geschichten, die „Frohe Botschaft“ genannt werden, glaubt, müsste wissen:
Jesus war angeblich nur wenige Tage (3 oder 4, da sind sich die Exegeten unter den Theologen der Kirche nicht einig) in Jerusalem. Als er im Tempel gewütet, Nächsten- und Feindesliebe vergessend, kam es zum kurzen Prozess mit dem bekannten Ergebnis:
Donnerstagabend festgenommen, Freitagnachmittag tot! So schnell konnten damals die Geheilten, die alle nicht in Jerusalem lebten, wie die Geschichten des Johannes, u. a. erzählen, nicht nach Jerusalem kommen -  wenn sie überhaupt etwas von dem Prozess gegen Jesus von Nazareth erfahren haben.  Und die Menge, die ihn zum König machen wollte, fühlte sich getäuscht und hatte offenbar den Eindruck, dass er den Mund zu voll genommen hat und blieb, wie das in solchen Fällen üblich ist, fern.

Schmerzhafte Mutter?
Maria soll nach Pater Preker unter dem Kreuz gestanden und ihr Ja zum Tod gegeben haben? Gleichzeitig habe sie die Frage nach dem Warum innerlich zermartert?
Maria, die wusste, folgt man den Evangelien, wen sie geboren hatte, wer sie geschwängert hatte, welche Mission ihr Sohn zu erfüllen gedachte, die seine  Wunder erlebt hatte, soll nun schmerzhaft unter dem Kreuz des Erlösers der Welt gestanden haben, als die Erde bebte, sich der Himmel auftat und Tote auferstanden? „Es ist vollbracht“, diese  angeblichen letzten Worte ihres Sohnes müsste sie gehört haben und nach ihrem JA zu allem, hätte sie Bestätigung, Genugtuung und Freude empfinden können. Was sollte in dieser Situation ein Warum?
So grauenvoll wie absurd die ganze Geschichte ist: „Schmerzhafte Mutter“ passt da nicht! Ihr JA unter dem Kreuz (nach Pater Preker) macht sie zur Mittäterin! Die Rolle der „Schmerzhaften Mutter“ (Pieta) ließ sich die Kirche über 1000 Jahre später einfallen.
Glauben kann so etwas wer will, man sollte aber andere damit nicht öffentlich belästigen und vor allem Kinder vor solchen Geschichten und Bildern (Kreuzigung, Mutter mit Leiche) schützen. Kinder, die so geistig missbraucht, an Folterszenen gewöhnt werden, die beim Anblick eines am Kreuz Gefolterten in Demut verfallen und beim Anblick einer Leiche auf dem Schoß einer Mutter kein Entsetzen mehr empfinden, sind die, die es vor Maria brennen lassen!

Wer will das Entzünden von Kerzen in der Kirche belächeln, wie Pater Preker es von Menschen mit „aufgeklärtem Hochmut“ befürchtet? Die es „vor Maria brennen“ lassen, haben mit ihrem Schicksal und in ihrer offensichtlichen Hilflosigkeit und in ihrer Verlassenheit ehrliches Mitgefühl verdient.

Über den Hochmut des Glaubens, Gott, Maria oder sonst wer aus der himmlischen Gesellschaft habe jemandem persönlich geholfen, kann man nur den Kopf schütteln. Über solchen Glaubenshochmut („der allmächtige Gott hat sich persönlich um mich gekümmert“) sollte man allerdings viel häufiger laut lachen!

(Manfred Such: Von 1989 bis 1990 sowie von 1994 bis 1998 war er Mitglied des Bundestages. 2002 trat er der PDS bei.)