Manfred Such, 26.09.2011
Vom vertrauten Weg abbiegen -
oder vom brennenden Dornbusch, sprechenden Backöfen und Äpfelbäumen oder von Moses und Frau Holle...
Anmerkungen zu den „Sonntagsgedanken“ von Pfarrer Dr. Rolf Stieber, JVA Werl, vom 24. 09. 2011, Soester Anzeiger Werl
Menschen auf den richtigen Weg zu führen, Selbstvertrauen und das Vertrauen in andere zu gewinnen, kurzum, sich durch Umkehr positiv zu verändern, ist das Anliegen, das Pfarrer Dr. Stieber in seinen „Sonntagsgedanken“ mit auf den Weg geben will? Soweit so gut!
Dass er dafür die Geschichte eines brennenden und doch nicht verbrennenden Dornbusches in der Wüste bemüht, um Menschen zu bewegen, vom vertrauten Weg abzubiegen, scheint wenig Erfolg versprechend zu sein. Das passiert ja nicht jeden Tag - wenn überhaupt.
Bei Moses, wenn man die Geschichten eines Volkes in der Wüste glauben will, soll es so gewesen sein, wie Pfarrer Dr. Stieber schreibt:
„Ich will doch hinübergehen und sehen, was da Sonderbares geschieht“ so sagte Moses, als er am Rand der Wüste Schafe hütete und einen Dornbusch sieht, der lodernd brennt und doch nicht verbrennt. Dass das wörtlich heißen soll: „Ich will von meinem Weg abbiegen“, wie Dr. Stieber schreibt, kann sich nur die Theologie einfallen lassen. Moses sei nach diese Begegnung mit Gott im Dornbusch umgekehrt. Umgekehrt? Wohin?
Moses? War das der, der am ägyptischen Königshof erzogen wurde, sein Volk aus der Knechtschaft befreit habe, nachdem das unschuldige ägyptische Volk mal eben mit ein paar Plagen und Morden vom „Gott im Dornbusch“ bestraft und das ägyptische Heer im Meer versenkt wurde? Derselbe Moses hütet nun, nach Dr. Stieber, am Rande der Wüste Schafe? Welch ein Abstieg!
Welchen Weg Moses weiter eingeschlagen hat, wird in weiteren ebenso unschlüssigen und sich widersprechenden Geschichten, die sich das Wüstenvolk erzählte und die in den Bücher Moses aufgeschrieben wurden, berichtet. Danach wurde Moses, als das Werkzeug seines Gottes, zu einem das eigene Volk und andere Völker hinschlachtenden Despoten, der bis in die Geschichte der Neuzeit seines Gleichen sucht. Und wo Moses nicht selbst morden ließ, hat das mal eben sein Gott für ihn erledigt, wenn man der Bibel glauben will.
Moses, für studierte Theologen ein Vorbild für Umkehr? Dazu böten andere Märchen aus unserem Kulturkreis bessere Vorbilder:
Wie wäre es mit dem Märchen von Frau Holle, in dem der Backofen und der Apfelbaum zu Gold- und Pechmarie sprechen. Da spricht kein selbstgefälliger, eifersüchtiger und Völker mordender Gott aus einem Dornenbusch, und trotzdem zeigt dieses Märchen, dass Umkehr zu Hilfsbereitschaft und zum Miteinander der Weg zur eigenen Zufriedenheit und zum Glück sein kann. Diese Märchen erheben nicht den Anspruch auf Wahrheit und kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, sie zu glauben und noch weniger, sie als Teil einer selig machenden Wahrheit zu predigen, wie das Theologen und Priester mit „Mosesgeschichten“ treiben.
Solche „Theologie“, taugt zur Verwirrung und erzieht auf der einen Seite zu unmündigen, traurigen, ängstlichen und unsicheren Untertanen, die selbst einem Massenmörder, wie er in der Person Moses geschildert wird, huldigen. Auf der anderen Seite entsteht selbstgefällige religiöse Überheblichkeit mit einem egoistischen Streben nach Belohnung mit der Hoffnung auf ewiges Leben. Und wer an solcher Religion erkrankt, zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Lüge nicht mehr unterscheiden kann und im Irrgarten der Religion den eigenen Weg nicht mehr findet, dem bietet die selbe „Theologie“ Tröstungen und die Gnade des oben erwähnten Gottes an. Nichts als leere Worte! Sprechendes Brot im Backofen wäre mehr!
(Manfred Such: Von 1989 bis 1990 sowie von 1994 bis 1998 war er Mitglied des Bundestages. 2002 trat er der PDS bei.)