19. Februar 2011 Elisabeth Umezulike

DIE LINKE. Kreis Soest unterstützt Anliegen der Hebammen

DIE LINKE. Kreis Soest
Presseerklärung 19.02.2011

DIE LINKE. Kreis Soest unterstützt Anliegen der Hebammen

Wie wichtig Hebammen im Verlauf von Schwangerschaft und Geburt sind, kann sicherlich jede Frau, die Kinder hat, bestätigen (und wahrscheinlich auch viele Väter!). Über die Arbeitsbedingungen und Probleme von Hebammen, wollte sich eine Abordnung des Kreisvorstandes der Partei DIE LINKE aus erster Hand informieren. Wo ginge das besser als im Soester Geburtshaus, das vor 17 Jahren aus einer Elterninitiative heraus entstand und eines der ältesten in Deutschland ist.  
Dort wurden Iris Fenzlein, Elisabeth Umezulike und Bärbel Prünte letzten Donnerstag freundlich von Barbara ? empfangen. Nach einer Führung durch die in warmen Farben gestalteten Räume des Geburtshauses erfuhren die drei linken Vorstandsfrauen einiges aus dem schwierigen Alltag von freiberuflichen Hebammen.
Dabei mussten sie feststellen, dass offenbar einer der wohl schönsten und ältesten Berufe der Welt in Gefahr ist. Denn Hebammen stehen zunehmend unter ökonomischen Druck, nicht wenige von ihnen sahen sich in den letzten Monaten gezwungen aufzuhören. Grund ist neben dem ohnehin schon geringen Verdienst die teure Haftpflichtversicherung, die freiberufliche Hebammen zahlen müssen. Das sind 3700 € im Jahr, ein Betrag, der drei Monatsgehältern entspricht. Bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von etwa 14.000 € im Jahr kommen Hebammen auf einen Stundenlohn von 7,50 €. Darin sieht denn Barbara auch das Hauptproblem. Ohne eine solide Versicherung gehe es nicht, erklärt sie, denn für eventuelle Schäden, die während einer Geburt entstehen können, müsse schließlich jemand aufkommen, zumal Gerichte den Geschädigten inzwischen deutlich mehr Schadensersatz zubilligen.
„Aber Hebammen verdienen einfach zu wenig, um sich diese Versicherungsprämie leisten zu können“, sagt sie und berichtet von einigen Kolleginnen, die aus diesem Grund aufhören mussten. Auch das Geburtshaus hat zeitweise Schwierigkeiten freiberufliche Hebammen als Mitarbeiterinnen zu finden: „In dieser Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit wollen gerade Berufsanfängerinnen mehr finanzielle Sicherheit“,  ergänzt sie.  
Dass Hebammen unsere Unterstützung brauchen, wurde im letzten Jahr durch eine Hebammen-Petition auch der Öffentlichkeit bewusst. Diese, eingereicht von der Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, Martina Klenk, forderte die wohnortnahe Versorgung von Frauen mit Hebammenhilfe. Bis zum Ende der Zeichnungsfrist kamen 195.000 Unterschriften zusammen; 50.000 sind nötig, damit sich der Petitionsausschuss gesondert mit dem Thema beschäftigt.
Kann die Versorgung mit Hebammen nicht mehr gewährleistet werden, wären nicht nur Frauen gravierend in ihrem Recht auf Selbstbestimmung während Schwangerschaft und Geburt  beschnitten, es würde auch für die Kassen sehr viel teurer, da für die gleichen Handlungen Kliniken zum Teil das Hundertfache an Gebühr im Vergleich zu einer Hebamme abrechnen. Auch wenn Hebammen besser bezahlt würden, was dringend nötig ist, wäre dies immer noch günstiger als die ausschließlich klinische Betreuung von Schwangeren.
Auf die Frage was sie sich von der Politik wünsche, antwortete Barbara mit einem leisen Seufzen: „Mehr Wertschätzung unserer anspruchsvollen und wichtigen Arbeit, die auch finanziell spürbar wird!“
DIE LINKE unterstützt die zurzeit laufenden, bundesweiten Hebammenstreiks. Schon zuvor hatte die Bundestagsfraktion der Partei, die zu mehr als der Hälfte aus Frauen besteht, dieses Anliegen in einem Antrag aufgegriffen, mit dem gerechte Entlohnung für Hebammen,  eine steuerfinanzierte Unterstützung für die hohen Versicherungsprämien und eine Einordnung ihrer Tätigkeit ins Sozialgesetzbuch gefordert wurden.
Auch der Soester Kreisverband von DIE LINKE stellt sich hinter das Anliegen der Hebammen und wird ihm als einem Schwerpunktthema der diesjährigen Aktionen zum  Frauentag öffentliche Aufmerksamkeit verschaffen.