17. November 2011 Michael Bruns

„Was sollen wir mit Decken, ich habe meine Liebsten verloren“

DIE LINKE. Kreis Soest
Presseerklärung 17.11.2011

„Was sollen wir mit Decken, ich habe meine Liebsten verloren“

Friedensbewegung und DIE LINKE rufen dazu auf am 03.12.2011 in Bonn gegen die Petersberg-II-Konferenz von Angela Merkel und Hamid Karzai und für den Truppenabzug aus Afghanistan zu demonstrieren. MdB Christine Buchholz, friedenspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion DIE LINKE, war am Mittwoch Nachmittag 16.11.2011 in der Soester Fußgängerzone am Infostand um für die Proteste zu mobilisieren. Am Abend zog sie zusammen mit Interessierten, Genossinnen und Genossen des Soester Kreisverbandes Bilanz von 10 Jahren Afghanistankrieg:

Die Lage der Bevölkerung hat sich durch Krieg und Besatzung verschlimmert. Afghanistan ist eins der am wenigsten entwickelten Länder der Erde. Die Lebenserwartung ist auf 43 Jahre gesunken. 13 % haben Zugang zu Trinkwasser, 61 % sind chronisch unterernährt. Für die Besatzer werden alle Lebensmittel darunter Mineralwasser für Millionen importiert und und das Volk muss dreckiges Wasser trinken.

Reinhard Erös von der Hilfsorganisation "Kinderhilfe Afghanistan“ sagt, dass das Militär nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems ist. Jeder, der in Afghanistan mit einer Uniform aufläuft, ist ein Besatzer. Sauberes Trinkwasser und gute Schulen für alle, das lässt Vertrauen wachsen, nicht Militär-Aufstockung. Auch mehr Polizei statt mehr Militär wie es die GRÜNEN fordern, ist keine Lösung, so Christine Buchholz. Die Armut und die Korruption sind zu groß. Das ist keine Alternative.  
Es geht beim Afghanistankrieg in Wirklichkeit um geostrategische Interessen und Rohstoffe. In Afghanistan lagern Bodenschätze im Wert von 2,2 Billionen Euro. Die Bedingungen für ihre Ausbeutung hat die europäische Vereinigung der Bergbauindustrie „euromines“ in einem Papier zusammengefasst, dass auf der Petersberg-II-Konferenz behandelt werden soll.

Christine Buchholz, Mitglied im Kundus-Untersuchungsausschuss und im Verteidigungsausschuss, hat sich im letzten Jahr in Afghanistan selbst ein Bild von der Lage gemacht und Angehörige von Opfern des Bundeswehrluftangriffs bei Kundus am 4. September 2009 befragt. Ein Mann, dem der Arm wieder angenäht wurde hat ständig Schmerzen und musste sich für die Operation hoch verschulden. Eine Frau hat bei dem Angriff Kinder und Enkel verloren. Eine angemessene Entschädigung der Versehrten und Hinterbliebenen gibt es nicht. Aussagen wie „Was sollen wir mit Decken, ich habe meine Liebsten verloren.“ und „Wären wir nicht arm hätten wir kein Benzin gebraucht,“ haben Christine Buchholz bewegt. Im Kundus-Untersuchungsausschuss wäre bei den anderen Fraktionen die Ignoranz groß: „Was machen die Leute auch nach 20 Uhr draußen?“ Es war Ramadan.

Die anschließende Diskussion drehte sich um die Frage was passiert, wenn die ausländischen Truppen abgezogen werden. Die afghanische Politikerin Malalai Joya, sagt dazu, dass die Regierung Karzai sich nach einem NATO-Abzug nicht halten könnte. Auch die, die sich gegen Karzai verbündet haben würden den gemeinsamen Feind verlieren. Von der Besatzung profitiert ein Teil der Bevölkerung und die Masse leidet darunter. Die Gewaltspirale müsse durchbrochen werden. Die Versöhnung wird ein längerer Prozess sein, den niemand den Afghanen abnehmen kann. In Afghanistan ist eigentlich ein liberalerer Islam zu Hause. Die Besatzung wurde für eine Radikalisierung benutzt. Die Bundestagsfraktion DIE LINKE hat Anfang des Jahres eine Konferenz mit Friedenskräften aus Afghanistan veranstaltet.

„Jeder Krieg wird mit einer Lüge begonnen,“ mahnte Christine Buchholz. „Angeblich gute Absichten werden vorgeschoben. Afghanistan hatte angeboten Bin Laden an einen Drittstaat auszuliefern, dafür wäre kein Militäreinsatz nötig gewesen. Und die Lage der Frauen hat sich in Afghanistan verschlimmert. Selbstmorde, Opiumabhängigkeit, Prostitution und Gewalt gegen Frauen haben zugenommen.“

Wer zur Friedensdemonstration am 03.12.2011 in Bonn mitkommen will, meldet sich bei Michael Bruns (Telefon 0170 7545045).

Fotos von der Veranstaltung:
http://www.flickr.com/photos/hailippe/sets/72157628022905303/