13. April 2011 Michael Bruns

Schulpolitik in Belecke: Bielefeld gibt es gar nicht!

Auf dem Foto von links: Elisabeth Umezulike, Hans-Otto Spanke, MdL Gunhild Böth und Kreisvorsitzender Manfred Weretecki

DIE LINKE. Kreis Soest
Presseerklärung 13.04.2011

Schulpolitik in Belecke: Bielefeld gibt es gar nicht!

DIE LINKE diskutierte am Dienstagabend 12.04.2011 mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern in Belecke über Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem. Kreative Kritik am selektivem Schulsystem vermittelten von der Künstlerin Christel Spanke gestaltete lebensgroße Blumenmenschen. In einer Sprechblase war die Frage zu lesen: "Mein Zehnjähriger ist schon zu doof für´s Gymnasium?" DIE LINKE lehnt Schulschließungen ab und fordert mehr individuelle Förderung sowie mehr Gesamt- und Gemeinschaftsschulen.

Hans-Otto Spanke, Warsteiner Ratsmitglied der LINKEN, berichtete, dass wegen sinkender Kinderzahlen in Warstein und Belecke die Zusammlegung von Schulen drohnt und warf die Frage auf, wie man die Situation nutzen könne neue Schulformen wie Gemeinschaftsschule und Gesamtschule einzuführen. "Was wollen die Eltern?" fragte er und machte sich für eine Elternbefragung stark. "Wir brauchen mehr Gesamtschulplätze, " forderte Spanke. "Viel zu viele Schülerinnen und Schüler im Kreis Soest werden abgelehnt und bekommen keinen Platz."

Elisabeth Umezulike (DIE LINKE), Mitglied des Schulausschusses des Kreises Soest, berichtete über die Sorgen von Kindern am Ende der Grundschulzeit: "Auf welche Schule komme ich? Sind meine Noten gut genug? Werde ich von meinen Freunden getrennt?" Das dreigliedrige Schulsystem führe zu extremer Ungerechtigkeit und Ungleicheit der Chancen. Soziale Ausgrenzung von benachteiligten Familien und bildungsfernen Schichten würde verstärkt. Sie kritisierte zudem den enormen Leistungsdruck insbesondere im Gymnasium und das Turboabi. "Wir müssen von den Bildungsystem in Skandinavien lernen: Lust und Leistung schließen sich nicht aus. Wie lange dauert es noch bis sich das in Deutschland durchsetzt?" fragte Umezulike.

Gunhild Böth (DIE LINKE), Mitglied des Landtages NRW, erklärte, dass DIE LINKE "Eine Schule für alle" fordere. "Sitzenbleiben ist extrem teuer und die Schülerinnen und Schüler werden dadurch sogar schlechter, " berichtete Böth. "Wir brauchen statt dessen mehr individuelle Förderung." Um eine vorbildliche Schule zu besichtigen müsse man nicht nach Finnland reisen, denn seit 1974 gäbe es in Bielefeld die Laborschule des Landes NRW. (Aber Bielefeld gäbe es ja gar nicht, warf ein Teilnehmer, in Anspielung auf den alten Witz, ein.)

Die Landtagsabgeordnete forderte, dass man sinkende Kinderzahlen dazu nutzen solle kleine Schulklassen zu schaffen und auch um die Inklusion zu bewältigen. Die Mittel dürfen nicht gekürzt werden und es dürfen keine Schulen geschlossen werden. Die Zusammenlegung von Schulen wäre nichts anderes wie eine Schulschließung. "Die Belecker fahren dann nach Warstein und die Warsteiner nach Belecke. Das erzeugt nur mehr Verkehr."

"Gemeinden ohne Schulen und lange neue Schulwege machen Orte unattraktiv und können zur Abwanderung führen, " erklärte Gunhild Böth. "Mit Gemeinschaftsschulen und Grundschulen sind auch mit kleinen Schülerzahlen im ländlichen Raum vor Ort attraktive Bildungsangebote möglich."  

Auf die große Nachfrage nach Gesamtschulplätzen müsse die Politik reagieren und mehr Züge schaffen und ggf. Zweigstellen von bestehenden Gesamtschulen gründen. Statt sich gegenseitig die SchülerInnen abzujagen, sollte es eine regionale Schulentwicklung im Kreis Soest geben.