29. April 2011 DIE LINKE. Kreis Soest, Michael Bruns

Leiharbeit zurückdrängen!

Diskussion über Leiharbeit

IG Metall zur Bundestagswahl 2009

DIE LINKE. Kreis Soest
Presseerklärung 29.04.2011

Leiharbeit zurückdrängen!

Manfred Weretecki, Kreisvorsitzender der LINKEN, moderierte am 28.04.2011 im „Kasino“ in Lippstadt die Diskussion „Leiharbeit zurückdrängen, aber wie?“ mit Alfons Eilers (IG Metall), Gisbert Drignat (Leiharbeiter) und Michael Bruns (Betriebsrat). „Leiharbeit ist besonders in der Industriestadt Lippstadt ein Thema, weil 60 % der Leiharbeit im verarbeitenden Gewerbe vorkommt. Es ist eine Schande, dass 40 % der Leiharbeitsbeschäftigten unter 30 Jahre sind. Eine Familie gründen und sich etwas aufbauen ist mit einem unsicheren und prekären Arbeitsverhältnis kaum möglich,“ so Weretecki.

Gisbert Drignat berichtete, dass er 5 Jahre lang vom selben Verleiher im selben Entleihunternehmen eingesetzt wurde. In den Betrieben werden immer mehr Stellen abgebaut und durch Leiharbeit ersetzt. Leiharbeitsbeschäftigte sind die Untersten in der Betriebshierachie: Der Azubi gibt den Besen zum Fegen an den Leiharbeiter weiter. Es kommt vor, dass Leiharbeiter ungewaschene Arbeitskleidung bekommen. Für 50 % Lohn wird 120 % Leistung verlangt, sonst ist man weg. Im Prinzip ist man auf Hartz-IV-Level. Ein Urlaub ist immer seltener drin.

Der Betriebrat Michael Bruns berichtete von einen betrieblichen Beispiel, wie seines Erachtens Leiharbeit besser gestaltet werden kann. Betriebsräte können zwar Leiharbeit ablehnen, aber aufgrund der rechtlichen Situation nicht verhindern. Mitbestimmung der Betriebräte gibt es bei anderen Angelegenheiten wie vorübergehend verlängerten Arbeitszeiten. Man könne dies mit dem Leiharbeitseinsatz zusammen regeln und mit den Arbeitgeber vereinbaren. So wurde in dem Beispiel erreicht, dass der Lohn der LeiharbeiterInnen vom Entleiher aufgestockt wurde, der Leiharbeitseinsatz befristet und begrenzt wurde sowie zudem „on top“ zusätzliche reguläre Einstellungen und mehr Ausbildungsplätze vereinbart wurden.

Alfons Eilers, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Lippstadt, erklärte, dass es bei der Leiharbeit nicht mehr nur um das Abdecken von Auftragsspitzen geht.

Leiharbeitsbeschäftigte bekommen im Monat rund 1000 Euro weniger Lohn. In der Stahlbranche wurde Equal pay (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) tariflich vereinbart. Er berichtete über die Bedingungen dafür dies auf die Metallindustrie zu übertragen.

Alfons Eilers tritt dafür ein, dass betrieblich Ampelregelungen mit den Arbeitgebern vereinbart werden: Die Leiharbeit ist bis zu einer festzulegenden Grenze (z.B. Kopfanzahl, Belegschaftsanteil, Stundenzahl) zu beschränken, darüber muss übernommen werden.
Die Leiharbeit boomt, die Umsätze und Gewinne der Leiharbeitsunternehmen steigen. Es gibt auch immer mehr Leiharbeitsfirmen und es kommt vor, dass diese sich Besservereinbarungen zugunsten der Beschäftigten in die eigene Tasche stecken. Die IG Metall fährt seit Jahren die Kampagne "Leiharbeit fair gestalten: Initiative gleiche Arbeit - gleiches Geld." In Lippstadt hat die Gewerkschaft z.B. einen Infotag für Leiharbeitsbeschäftigte durchgeführt.

DIE LINKE fordert, dass die Liberalisierung der Leiharbeit durch das Hartz-I-Gesetz der einstigen rot-grünen Bundesregierung wieder zurückgenommen wird. Die Linksfraktion beantragte aktuell im Bundestag, u.a. dass das Prinzip „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ ohne Ausnahmen gelten muss, zudem eine Flexibilitätsprämie von 10 % zu zahlen ist, die Verleihdauer auf 3 Monate begrenzt wird sowie Betriebsräte ein zwingendes Mitbestimmungsrecht bekommen.

In der anschließenden Diskussion war man sich einig, dass Leiharbeit wegen der negativen Folgen wie Lohndumping, Spaltung der Belegschaften und der Unsicherheit der Beschäftigung zurückgedrängt und schließlich abgeschafft werden muss. Dazu ist es nötig die Gewerkschaften zu stärken und mehr Druck auf die Politik auszuüben. Es nütze nichts sich Generalstreiks wie in Spanien oder Frankreich nur zu wünschen, man muss was dafür tun!

Die Arbeitsgemeinschaft „betrieb & gewerkschaft“ der LINKEN ist mit einem Infostand auf der regionalen DGB-Kundgebung zum 1. Mai ab 11 Uhr auf dem Marktplatz in Lippstadt dabei.