28. Dezember 2008 Martin Rediker u.a.

Alles wunderbar?

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Hip Hip Hurra...Alles ist Super, alles ist Wunderbar...

Oh du Fröhliche, Lippstädter Tafel verabreicht nun auch warmes Essen

Wie die Leserinnen und Leser, in den aktuellen Weihnachtsausgaben einiger Tageszeitungen entnehmen konnten, bietet die Lippstädter Tafel in Zukunft ihren "Gästen" auch warmes Essen an. (Frohe Botschaft zum Fest: Tafel tischt bald warm auf).

Mit bildlich vorstellbarer stolzer Brust erzählen die Verantwortlichen der selbstlosen Caritas von ihren Ideen und Plänen bezüglich der Essensausgabe und Raumerweiterung. Von Ursachen oder Gründen, die zur Entstehung von mittlerweile über 800 Tafeln in der Bundesrepublik führten und führen, erfährt der Leser nichts. Über eventuelle  Konkurrenz-Situationen zu einer anderen Lippstädter Einrichtung dagegen schon. Die Wortwahl in dem Artikel spricht Bände. Menschen die aufgrund der asozialen Politik der  Neoliberalen, zu Bedürftigen geworden sind, werden verharmlosend Kunden oder Gäste genannt. Kunden und Gäste, das ist die Sprache des Peter Hartz, eines rechtskräftig verurteilten Kriminellen. Es wird der Anschein erweckt Armut wäre Gott gegeben und nicht politisch verursacht worden. Der Gedanke, das der Zwang zur Inanspruchnahme solcher Einrichtungen zutiefst herabwürdigend ist, scheint keine Zeile wert zu sein.

Leider stimmt es, dass Tafeln oder Suppenküchen notwendig sind. Die Arbeit der ehrenamtlichen Bürgerinnen und Bürger verdient Respekt und Anerkennung. Das es aber dieser Tafeln bedarf, ist ein Skandal mit dem sich nicht abgefunden werden darf.

Ebenso wäre es an der Zeit die Rolle der Lippstädter INI einmal kritisch zu beleuchten. Hier scheint ein öffentlich geförderter Konzern entstanden zu sein, dem sein sinnvolles Kernfeld, die Ausbildung schwer vermittelbarer Jugendlicher nicht mehr ausreicht. In vielen Foren werden Firmen dieser Art bereits mit dem Begriff der "Sozialmafia" benannt. Expansion auf Kosten von meistens Zwangsarbeitenden 1-Euro-Jobbern in viele weitere Bereiche. Oder Essensausgabe für alle ( nicht nur für Bedürftige ) zu Dumpingpreisen an der Südstrasse in Lippstadt, die für Betriebe mit tariflich oder 
sozialversicherungspflichtig entlohnten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern schlicht nicht möglich sind.

Insgesamt entsteht zunehmend der Eindruck, dass durch soziale Ausgrenzung und Armut immer neue Geschäftsfelder für die INI und andere "mildtätige" Träger entstehen. Eine Folge ist jetzt schon die Ausweitung des Niedriglohnsektors, weil kleine Familienbetriebe unter Druck geraten. Sollte nicht aber die Bekämpfung dieser schlechten Löhne das Ziel sein? Oder wollen wir uns wirklich mit dieser "neuen" Armut abfinden? Die bei gerechterer Verteilung völlig unnötig und vermeidbar wäre. 

Dirk Koch, Erwitte
Manfred Weretecki, Warstein
Martin Rediker, Lippstadt
Hans Otto Spanke, Warstein
Burkhard Trahm, Lippstadt
Dietmar Schwalm, Werl
Franz Streibig, Warstein
Manfred Kutschera, Lippstadt
Iris Fenzlein, Soest